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Was integrierte Schulen können

Ergebnisse der prozessbegleitenden Schulforschung aus der wissenschaftlichen Begleitung der Pilotphase Gemeinschaftsschule Berlin 

Vortrag von Ulrich Vieluf (Hamburg) am 15.11.2014 anlässlich der GGG-Bundesarbeitstagung in der IG-Mannheim-Herzogenried

Die insgesamt sehr gelungene wissenschaftliche Begleitung liefert erstaunlich positive Ergebnisse. Sie konzentriert sich auf die Sekundarstufe I, die in Berlin mit Jahrgang 7 beginnt. Untersucht wurde bisher ein Schüler-Jahrgang mit drei Lernstands-Erhebungen: Anfang Jg.7 (2009), Anfang Jg. 9 (2011) und Ende Jg. 10 (2013) in den Lernbereichen Lesen, Orthografie, Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften.

Die an der Untersuchung beteiligten 13 Schulen wurden in drei „Sozialklassen“ eingeteilt und jeweils mit Hamburger Schulen aus dem gesamten gegliederten Spektrum verglichen. Für diesen Vergleich wurde eine Gruppe Hamburger Schulen definiert, die dem jeweiligen sozialen Hintergrund der Berliner Schulen weitest gehend entsprach. Die Daten für diesen Vergleich entstammen der Hamburger KESS-Studie, die als einzige deutsche Schulleistungsstudie die zeitliche Lernentwicklung von Schüler/innen flächendeckend erhebt.

Interessant sind die Lernzuwächse von Jg. 7 bis Jg. 10: In Orthografie und Englisch sind sie besser, in Lesen deutlich (ca. ein Lernjahr) besser als bei den Hamburger Vergleichsschulen. In Mathematik haben die Hamburger Schüler/innen mehr dazugelernt, in den Naturwissenschaften deutlich mehr. Nach Ansicht der wissenschaftlichen Begleitung ist das schlechtere Abschneiden bei den Lernzuwächsen insbesondere in den Naturwissenschaften eine allgemeine Berliner Besonderheit und nicht auf die Gemeinschaftsschulen beschränkt.

Genauere Untersuchungen zeigen, dass es den Schulen mit der sozial schwächeren Schülerschaft in besonderer Weise gelingt, hohe Lernzuwächse zu erzielen, und dass es über alle Schulen hinweg gelingt, die guten bis hervorragenden Lernzuwächse über das gesamt Sozialsprektrum hinweg zu erzielen: Die Entkopplung von Lernen und sozialem Hintergrund scheint gelungen. Die „Schere“ schließt sich sogar ein Stück.

Interessant ist auch ein Blick auf die am Ende des Jg. 10 erreichten Lernstände und die erworbenen Abschlüsse und Übergangs-Berechtigungen im Vergleich zu den Hamburger Ergebnissen.

Sowohl bei den Schülern, die in die gymnasiale Oberstufe übergehen, als auch den anderen (Nichtübergänger) schneiden die Berliner in den Lernfeldern Lesen und Orthografie z.T. deutlich besser ab, in Englisch und Mathematik liegen die Schüler/innen beider Stadtstaaten ziemlich gleich auf (leichter Vorteil für Hamburg) und in den Naturwissenschaften gehen die „Übergänger“ trotz der mäßigen Lernzuwächse in Jg. 7 bis 10 mit einem deutlichen Vorsprung in die Oberstufe.

Schließlich noch ein Ergebnis bei den Übergängen in die gymnasiale Oberstufe: Die Hälfte der Übergänger hatte beim Eintritt in die Sekundarstufe I keine gymnasiale Empfehlung. 35 % der Schüler aller untersuchten Gemeinschaftschulen erreichten den Übergang, 50 % der Schüler in den sozial am wenigsten belasteten Schulen.

Es lohnt ein Blick in die kommentierten Vortragsfolien (LINK 1)von Ulrich Vieluf und die Website der Berliner Bildungsverwaltung, auf der sich der ausführliche Bericht der wissenschaftliche Begleitung sowie weitere Informationen zu den Berliner Gemeinschaftsschulen befinden.

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