Donnerstag, Dezember 14, 2017
   
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GGG-Bundestagung 2017

Bericht von der Bundestagung
am 17. Nov. 2017
in der Paul-Hindemith-Schule Frankfurt a.M.

Barbara Riekmann

Demokratie offensiv leben – Unsere Antwort auf aktuelle Herausforderungen

 

 

Die Bundestagung war eingebettet in ein mehrtägiges Programm im Rahmen der Woche der Gesamtschulen in Frankfurt. So konnten schon am Vortag acht Frankfurter Gesamtschulen besucht werden. Deren Angebote knüpften inhaltlich an das Thema
des Kongresses an. Am 18.11.17 endete die Woche der Gesamtschule mit einem sehr gut besuchten Markt der Möglichkeiten, auf dem sich die Frankfurter Gesamtschulen der interessierten Elternschaft vorstellten.

Gastgeberschule für die Bundestagung war die Paul Hindemith Schule, eine integrierte Gesamtschule mit 680 Schüler/-innen aus 61 Nationen. Nach einem erfrischenden musikalischen Auftakt, dem Schulrap, den Achtklässler vortrugen, begrüßte der Schulleiter Matthew George die ca. 100 Tagungsteilnehmer/-innen. Er schilderte die vielfältigen Herausforderungen des Gallus,eines Stadtteils mit mehr als 40.000 Einwohnern, der weiterhin dynamisch wachse. Schon heute kooperiere die PHS mit vielen Institutionen im Stadtteil. Geplant sei ein Bildungscampus u. a. mit Stadtbücherei, Kita, Berufsschulen und neuer gymnasialer Oberstufe. Für die Gestaltung dieser Aufgabe sei es wichtig, den „Tunnelblick" der Einzelschule aufzugeben und aufeinander zuzugehen.

 

Der Bundesvorsitzende Gerd-Ulrich Franz eröffnete die Bundestagung. Stadträtin Sylvia Weber schloss hieran an und führte anlässlich der vielen Überlastungsanzeigen aus den Gesamtschulen aus, dass die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung für diese inklusive Aufgabe (noch) unzureichend sei. Mit dem Bildungscampus Gallus verknüpfe die Stadt Frankfurt auch den Wunsch, mit guten Freizeitangeboten der Radikalisierung und dem Rückzug indoktrinierter Jugendlicher
entgegenzuwirken.

Den einführenden Eröffnungsreden schlossen sich drei Impulsreferate an:

Prof. Dr. Rosemarie Tracy, Sprachwissenschaftlerin an der Universität Mannheim, hob die Bedeutung der Sprache als Schlüssel zur Identität hervor. Mehrsprachigkeit ermögliche Mehrstimmigkeit und vermittle eine selbstbewusste, hybride Identität. In der Schule jedoch würden mehrsprachige Kinder an monolingualen Normen gemessen. Damit wäre der Blick auf die Vielfalt ihrer sprachlichen Kompetenzen stark eingeschränkt. Wünschenswert wäre deshalb eine Lehreraus- und -fortbildung, die für diese erweiterte Sichtweise kompetent mache.

Ahmad Mansour, Diplom-Psychologe und Programmdirektor der European Foundation
for Democracy, schilderte die antidemokratischen Denkmuster der „Generation Allah", aus der eine zahlenmäßig starke Gruppe von Salafisten und Dschihadisten erwachsen könne. Den Salafisten gehe es mit einer einfachen Rhetorik um einfache Antworten auf komplexe Probleme. Die Argumentation sei gekennzeichnet von Schwarz-Weiß-Bildern, Idealisierungen und Verschwörungstheorien, zudem geprägt von einem antisemitischen Gedankengut. Der Radikalisierungsprozess treffe auf Jugendliche, die in krisenhaften Phasen auf der Suche nach Identität, nach Bindung, nach Exklusivität und nach „Befreiung" von der alten Rolle seien. Die Schule müsse deshalb, so das Fazit, präventiv in der Lage sein, Jugendliche vor den Islamisten und Salafisten zu erreichen.

Kurt Edler, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik, beschrieb Grundmuster populistischer Argumentation. „Ressentimentgeladene Narrative" kämen hinzu: die vermeintliche Bedrohung ethnischer Identität, die Beschwörung linker Unterwanderung der Republik, des Genderwahns, der gesellschaftlichen Modernisierung. Für die Schule käme es darauf an, die „demokratische Resilienz" zu stärken: Grundlage hierfür wäre aus Einsicht, ohne Angst und ohne Bevormundung, seinen (Lern)Weg gehen zu können, aber gleichzeitig auch die Freiheit und das Menschenrecht anderer zu verteidigen. Dazu braucht es, so Edler, eine diskriminierungsfreie Schule, in der allen Formen der Beschämung entgegengewirkt würde.

Nach dem Mittagessen versammelten sich die Teilnehmer/-innen in drei Foren, um mit den Fachleuten diese Themen zu vertiefen und weitere Aspekte hierzu auszutauschen. Eine Arbeitsphase, die intensiv genutzt wurde.
Die Tagung schloss mit einer Podiumsdiskussion ab, auf der die Teilnehmer/-innen Fabian Pflume (Landesschulsprecher Hessen), Jan Voss (elternbund Hessen) und Maike Wiedwald (GEW Hessen) die Forderung nach längerem, gemeinsamen Lernen ohne Aussonderung bekräftigten.

Wer wollte und noch konnte, war am Abend eingeladen zu einem ganz besonderen Konzert, veranstaltet von Bridges, einer interkulturellen Musikinitiative, die geflüchtete und beheimatete Profimusiker/-innen gemeinsam in Ensembles zusammen bringt. Mit zwei Ensembles, die klassisch-orientalische Musik vortrugen, endete der Abend. Für alle, die hieran teilnahmen, war es ein ganz besonderer musikalischer Leckerbissen.

Barbara Riekmann

Fotos: Werner Kerski, Reinhard Wanzke
Fotos und Collage: Christa Gramm

Download: Bericht
Download: Begrüßung von Gerd-Ulrich-Franz


 

Tagungs-Anmeldung
Woche der Gesamtschule
Schulbesuche am Donnerstag
Hotel-Kontingent

Einladung zur GGG-Bundestagung am 17. November 2017

Frankfurt a. Main,
Paul-Hindemith-Schule (PHS),
Schwalbacher Str. 71-77

„Demokratie offensiv leben-
unsere Antwort auf aktuelle Herausforderungen!“

Die Bundestagung 2017 findet in Zusammenarbeit mit der GGG-Hessen im Rahmen der Woche der Gesamtschule in Frankfurt am Main statt. U.a. können am Donnerstag, 16. Nov., Frankfurter Gesamtschulen besucht werden. Die Herbsttagung selbst mit anschließender Mitgliederversammlung ist am Freitag, 17. Nov.

Einladung
Plakat
Plakat-klein
Programm

Unter den Gefährdungen der Demokratie sind zur Zeit Extremismus und Populismus im besonderen Fokus. Sie leben von Vereinfachung und Verkürzung, setzen auf Ab- und Ausgrenzung, reflektieren ihr Weltbild nicht und stellen es über das anderer. Diesen aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen muss sich auch die Schule stellen, insbesondere dann,
wenn sie sich als demokratiestiftend und inklusiv versteht.

Bundestagung 2017 PlakatDas gegenseitig wertschätzende Miteinander, der selbstverständliche Umgang mit Heterogenität und Vielfalt in den Schulen des gemeinsamen Lernens sind eine Bereicherung und bieten Chancen für den Einzelnen und die Gemeinschaft. Wie das geht und wo wir ansetzen müssen, soll uns bei dieser Tagung beschäftigen. Zu drei Aspekten dieser Herausforderungen haben wir die Zusage ausgewiesener Experten:

  • Ahmad Mansour (u.a. Heroes Berlin): Islamisch begründete Gewalt und demokratische Aufklärung

  • Prof. Dr. Rosemarie Tracy (UNI Mannheim): Sprache: Identitätsfindung, Abgrenzung, Verständigung

  • Kurt Edler (Vorsitzender DeGeDe):Gefahr von rechts – demokratische Resilienz stärken

Unsere Experten werden Impulsreferate halten und diese in Foren vertiefen. In einer abschließenden Podiumsrunde diskutieren wir mit befreundeten Verbänden, wie wir die gewonnenen Einsichten umsetzen und uns dabei in unserem Bündnis unterstützen können. Die GGG-Mitgliederversammlung (mit Neuwahl des Bundesvorstandes) folgt.
Am Abend wird die Kulturinitiative „bridges“ mit einem Orchester aus hier ansässigen und geflüchteten Musikern ein Konzert geben.
Eingebettet ist die Tagung in die Woche der Gesamtschule, eine Veranstaltungsreihe der Frankfurter Gesamtschulen: u.a. können am Vortag bei Schulbesuchen Entwicklungsthemen, auch mit Tagungsbezug, diskutiert werden. Am Folgetag findet ebenfalls in der PHS ein „Markt der Möglichkeiten“ statt: Alle Frankfurter integrierten Gesamtschulen präsentieren gemeinsam ihre Arbeit der interessierten Öffentlichkeit, insbesondere den Eltern der 4.Klassen.

Online-Anmeldeschluss war am 14.11.2007. Sie können sich aber auch am 17.11.2017 vor der Veranstaltung unmittelbar in der Paul-Hindemith-Schule anmelden.

Wir freuen uns auf zahlreiche Besucher zu diesen uns alle bewegenden Themen in einer sich dynamisch entwickelnden Stadt mit ebensolcher Schullandschaft!

Gerd-Ulrich Franz, Vorsitzender

Geplanter Tagungsablauf:

09:00 Öffnung Tagungsbüro in der PHS
10:30 Begrüßung
11:00 Kurzvorträge der Experten
12:15 Pause mit Mittagessen
13:30 parallele Foren zu den 3 Aspekten
15:00 Pause - ‚gallery-walk‘
15:30 Podium mit (GSV, GEW, ebh, Schüler LSV)
16:30 MV bis 18:00,
19:30 Konzert „Bridges“

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