Sonntag, April 22, 2018
   
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NI: Neues aus Niedersachsen (2018-02)

Große Koalition in Niedersachsen – große Herausforderungen – großer Entwurf für ein zukunftsweisendes Schulsystem?

Die Koalitionsvereinbarungen zwischen SPD und CDU in Niedersachsen sollen eine Basis für „bessere Bildungschancen für alle“ darstellen und zu einer „zukunftsgerecht gestalteten Bildungslandschaft“ führen. Das kann bezweifelt werden. Statt Steuerung und politischer Akzentsetzung sollen allein Elternwille und die Kommunen das Ganze richten. Statt Diskussionen über Schulstrukturen soll ein „dauerhafter Schulfrieden“ her. Auch hier sehen die Koalitionäre nicht richtig hin.

„Schulfrieden“ entsteht nicht dadurch, dass Gesamtschulen weiter als Regelschulen und ersetzende Schulform gelten sollen. „Schulfrieden“ setzt die Probleme des gegliederten Schulwesens fort. Ohne eine Schule für alle werden die Verwerfungen, die ein System von Hauptschule, Realschule, Oberschule und Gymnasium mit sich bringt, weiter existieren und sich noch verschärfen. Immerhin wird die Gesamtschule in ihrer Stellung nicht geschwächt, wie die CDU es doch eigentlich vorhatte.

Die Lastenverteilung im derzeitigen Gebilde aus gegliedertem Schulwesen hier und Gesamtschulen auf der anderen Seite befindet sich in einer Schieflage. Inklusion und Integration machen vor Realschulen und Gymnasien Halt, weil diese den Elternwillen unterlaufen. Man berät die schwierig scheinende Schülerpopulation einfach weg. Die anderen sollen es richten. Eine mögliche Wiedereinführung der Förderschule „Lernen“ macht das auch nicht besser. Ohne wenigstens mittelfristige Ziele anzugeben, besteht so eine Schullandschaft weiter, die einem Bauchladen gleicht. Für die Koalitionäre klingt das stolz nach „Wahlfreiheit“. In Wahrheit ist es nur ein Patt, ohne die Zukunftsfragen wirklich anzugehen.

Die Koalitionäre wollen vieles prüfen: z. B. die Qualität der gymnasialen Oberstufe und die Qualität der Schulformen. Hier wird es spannend werden, ob sich hinter diesen Prüfaufträgen das sachfremde Gejammer konservativer Bildungsverbände versteckt, die in allen Modernisierungsversuchen der Oberstufe inzwischen eine Absenkung der Leistungsanforderungen wittern.

Was man ohne Prüfung gleich beseitigen sollte (und könnte)?

Die von Gesamtschulen und Gymnasien stark kritisierte Veränderung der Wochenstunden für Leistungs- und Grundkurse!

Und das Ziel des Prüfauftrags für die Schulformen bleibt im Nebel. Wenn man doch alle Formen erhalten will, was will man dann sichten?

Mangelnde Visionen werden immerhin mit in Aussicht gestellten personellen und finanziellen Verbesserungen erkauft. Die sind auch dringend nötig, wenn Inklusion und Integration besser gelingen sollen!

RAIMUND OEHLMANN

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