Montag, Juni 25, 2018
   
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HB: Bericht aus Bremen (März 2016)

Nach dem Ablauf der Anmeldefristen der Schulanwahlen für das Schuljahr 2016/17 liegen die ersten Ergebnisse vor. Danach  sind die Gymnasien wie im Vorjahr hoch angewählt worden. Auch einige Oberschulen haben gute Ergebnisse erzielen können, besonders die Oberschulen mit einer eigenen Oberstufe. Oberschulen ohne Oberstufe müssen um jeden Schüler kämpfen, allerdings gibt es einige, die sich über Jahre hinweg ein gutes Image durch Profilbildung aufgebaut haben und sich über ausreichende Schülerzahlen keine Sorgen machen müssen. Der Trend ist eindeutig: die Gymnasien als die eine Säule stabilisieren sich immer mehr, während die zweite Säule, die Oberschulen, ihre Stabilität zu verlieren droht. Das Ziel, die ‚Eine Schule für alle‘, rückt so von Jahr zu Jahr in immer weitere Ferne. Die Ursachen dafür sind schnell gefunden: Die personelle und materielle Ausstattung der Oberschulen genügt nicht den Anforderungen, der weitere Ausbau der Ganztagsschulen stockt, die Inklusion als wichtiges Kernstück  kann nicht zufriedenstellend umgesetzt werden und die angestiegenen Flüchtlingszahlen verlangen eine Herkulesarbeit in Sachen Integration. Das sind große Aufgaben, die von den Gymnasien nicht gemeistert werden müssen. Es bleibt ein ungleicher Kampf.

 

Aktuell zu diesen Problemen sind Aktivitäten der Lehrer und Schulleitungen der Grund- und Oberschulen bekannt geworden. So haben die Leitungen von elf Grundschulen aus dem sozial benachteiligten Bremer Westen einen Brandbrief „Bestandsaufnahme Inklusion“ an Senatorin Claudia Bogedan  geschrieben, in dem sie die Inklusion als im Interesse aller Schüler lohnendes  Ziel benennen, aber reklamieren, dass die Rahmenbedingungen für das Gelingen dieses Ziels nicht gegeben seien. Kinder könnten ihr Lernpotenzial nicht ausschöpfen, Auffälligkeiten aufgrund mangelnder Förderung wüchsen sich bei zu Störungsbildern aus. Kinder mit besonderen Bedarfen benötigten eben sehr viel Aufmerksamkeit und enge Begleitung in sozialen Prozessen, was nicht mehr in ausreichendem Maße zu gewährleisten sei. Alle Kinder würden hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. Für diese Entwicklung könne man die Verantwortung nicht übernehmen, betonen die Schulleitungen mit Nachdruck. 

Im Februar haben sich die Schulleiter der Bremer Oberschulen zu Wort gemeldet. In einer Personalversammlung haben 130 Teilnehmer/innen Kritik an der sog. Leitungszeitformel geübt, die nicht mehr der Realität entspreche. Sie hätten eine Schlüsselstellung im Prozess der Flüchtlingsintegration, der Inklusion und der Qualitätsverbesserungen im Unterricht.  Unter den derzeit schwierigen Bedingungen sei dies alles von ihnen nicht zu leisten.

Klar ist, sollte der Bremer Senat sich nicht dazu durchringen, eine Aufstockung des Bildungsetats, eine Um-fair-teilung im Interesse der Lehrer, Schüler und Auszubildenden vorzunehmen, dass der Unmut und die Unzufriedenheit dieser Gruppen  wachsen und somit eine gedeihliche und produktive Entwicklung in den Schulen unmöglich wird.

Kalle Koke 

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