Die ungleichen Bildungschancen sind unerträglich

Die ungleichen Bildungschancen sind unerträglich
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Datum:
18. Oktober 2012

Ursache ist die vertikale Schulstruktur, die Einwände dagegen tragen nicht

Eine Analyse von Joachim Lohmann

Zusammenfassung
Die Reform der Schulstruktur war das am heftigsten umstrittene innenpolitische Thema der 70er Jahre. Seit den 80er Jahren versuchte die Politik, das Thema mit immer neuen Einwänden und Alternativstrategien zu verdrängen.
Doch keine der Einwände trägt, und keine Alternative ersetzt die Strukturreform – weder bei dem Ziel der Chancengleichheit noch bei dem der Leistungssteigerung. Für die OECD-Unterschiede bei der Chancengleichheit ist die Schulstruktur entscheidend. In einer gemeinsamen Schule für alle wirkt sich durchschnittlich die Schulautonomie intensiver aus, die Schüler verhalten sich positiver, die Lehrer-Schüler-Beziehung gedeiht besser, die Lehrkräfte sind schülerorientierter und das Sitzenbleiben und die Abschulungen passieren seltener. Auch die Ganztagsschule entfaltet sich in einer vertikalen Schulstruktur nur geringfügig. Bei der gemeinsamen Schule für alle wirkt weniger die soziale Zusammensetzung, sondern die Struktur und der Geist der Schülerzuwendung und des Förderns. Diese Faktoren schlagen so stark durch, dass der Beitrag des Kindergartens in bildungspolitisch führenden Staaten irrelevant wird. Die gemeinsame Schule für alle ist nicht nur maßgebend für mehr Chancengleichheit, auch die Leistung aller gewinnt. Diese hängt jedoch noch stärker von dem Geist eines Schulsystems ab, alle Jugendlichen zur Hochschulreife befähigen zu wollen. Je mehr Jugendliche diesen Abschluss schaffen, umso höher ist die Durchschnittsleistung und umso weniger Schüler/innen sind im untersten und umso mehr im Obersten Leistungsbereich. Dieser Geist des Schulsystems korreliert sehr eng mit einer gemeinsamen Schule für alle.
Mithin bleibt die Reform der Schulstruktur der entscheidende Faktor, um die Chancengleichheit zu erhöhen und die Leistung bei allen zu steigern. Die in manchen Bundesländern eingeführte gleichwertige Zweigliedrigkeit sollte konsequent weiterentwickelt werden.

 
 
 
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